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Internet-Portal Ägypten Das Buch als Fenster zur arabischen Welt

Das Buch als Fenster zur arabischen Welt

Logo © Alawi VerlagDer 2008 gegründete Alawi Verlag veröffentlicht Bücher arabischer Frauen. Initiator und Namensgeber Abdul Rahman Alawi wünscht sich den Austausch zwischen Kulturen – und Interesse an seinen Autorinnen.

Sie sind einfarbig, von schimmernder Schrift geprägt und Abdul Rahman Alawis Stolz. Neun Bücher mit Hardcover, die der aus Palästina stammende ehemalige Diplomat und Journalist bislang in seinem Verlag herausgebracht hat.

Der Alawi Verlag veröffentlicht die Werke arabischer Autorinnen auf Deutsch. Der Leser soll ein echtes Gefühl dafür bekommen, in welchen Gesellschaften die Autorinnen leben – weil sie nicht für das Ausland, sondern für ihr eigenes Milieu schreiben. „Wenn man das liest, erlebt man etwas Originelles“, findet Abdul Rahman Alawi. Die Autorinnen ziehen keinen großen finanziellen Gewinn aus der Veröffentlichung. Aber sie werden im Ausland bekannter – und dadurch möglicherweise auch in ihrer Heimat mehr gehört.

Mai Khaled © Alawi Verlag Auch die Bücher einer ägyptischen Autorin werden vom Alawi Verlag herausgebracht. Mai Khaled ist Schriftstellerin, Literatur­übersetzerin, Radio- und Fernsehjournalistin – und bereits bekannt in ihrer Heimat. Sie freut, dass andere Teile der Welt durch die Übersetzungen mehr über ihre Kultur erfahren. Doch das Schönste für Mai Khaled ist, dass sie selbst die soziale und emotionale Seite der Deutschen kennen lernen konnte. „Dass sich die Leser für mein Buch geöffnet haben, machte es für mich einfacher, mich diesen Fremden gegenüber zu öffnen. Sie sind nun keine Fremden mehr. Ich hatte die Gelegenheit, viele Stereotypen aufzubrechen.“ So unterschiedlich denken Deutsche und Ägypter nämlich nicht: „Die Welt ist buchstäblich ein kleines Dorf, auf emotionaler und literarischer Ebene.“

Romane wie die Wirklichkeit

Zauber des Türkis, Leineneinband mit Prägung © Alawi VerlagMai Khaleds Buch Zauber des Türkis ist 2010 im Alawi Verlag erschienen. Es handelt von einer Frau namens Nirwana, die ihrer Nichte gegenüber ihre Geheimnisse, Sehnsüchte, Niederlagen und Glücksmomente enthüllt. Die beiden stellen fest, dass sie denselben Weg zur Befreiung und Selbstfindung suchen. Dieser Weg bedeutet, gegen die Zwänge eines traditionsreichen Familien-Clans zu revoltieren und aus der festgefahrenen Rolle von Frau und Mann in der ägyptischen Gesellschaft auszubrechen.

Abdul Rahman Alawi hat sich bewusst dazu entschieden, ausschließlich Bücher von Frauen herauszubringen. Sie müssen ihre Rolle in der Gesellschaft häufig erst erstreiten. Ihnen eine Stimme zu verleihen, ist Alawis Anliegen. Außerdem schätzt er die weibliche Art, Dinge anzugehen: „Frauen taktieren weniger, sind direkter und haben einen umfassenderen Blick. Sie sind emotionaler und dadurch mutiger.“

Viele Ideen, wenig Mittel

Zu seinen Autorinnen pflegt er regen Kontakt, auch um neue Projekte anzugehen. Im Jahr 2013 werden vermutlich keine neuen Werke im Alawi Verlag erscheinen, aber Taschenbuchversionen von bereits erschienenen Hardcovern sind geplant. Dadurch könnten die Bücher preiswerter und von mehr Leuten gelesen werden. Der Verlag arbeitet mit geringen finanziellen Mitteln. Wenn eine Auflage eines Buches ausverkauft ist, sind die Gesamtkosten genau gedeckt. Bei jeder Neuerscheinung muss er also gut kalkulieren.

Litprom, die Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika, unterstützte den Alawi Verlag bei der Übersetzung von insgesamt sechs Werken mit Mitteln des Auswärtigen Amtes und der Schweizer Kulturstiftung. Corry von Mayenburg von Litprom begrüßt vor allem, dass die Stimmen arabischer Frauen zur Geltung kommen. „Die Anzahl von Titeln von Autorinnen liegt bei übersetzten Büchern aus der arabischen Welt insgesamt lediglich bei etwa <nobr>15 Prozent.</nobr> Da ist es sehr zu begrüßen, dass ein Verlag ausschließlich weibliche Stimmen veröffentlicht.“

Abdul Rahman Alawi © Abdul Rahman AlawiAbdul Rahman Alawi hat vier Mitarbeiter in seinem Verlag. Die personellen und finanziellen Möglichkeiten fehlen, um alle Bücher zu übersetzen, von denen er es sich wünschen würde. Aber ihn freut, dass die arabische Welt im Lauf der beiden letzten Jahre mehr Aufmerksamkeit bekommen hat und dass auch in anderen Verlagen mehr Übersetzungen aus dem Arabischen erschienen sind.

Emanzipation durch Worte

Der Verlagschef findet, dass die Rolle der Frau sich nur zum Positiven entwickeln könne. Seit Mitte der Neunziger melden sich Frauen über Bücher aus Gesellschaften, die sie seit den Siebzigern einengen und ausschließen. Das beobachtet Abdul Rahman Alawi sorgfältig: „Durch das Wort sind die Frauen mittendrin im Kampf für die Entwicklung und die gesamte Emanzipation.“

Mai Khaled arbeitet gerade an einem neuen Roman, der die Umbrüche in der arabischen Welt und ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft reflektiert. „Jeder hat eine andere Sichtweise auf die Dinge. Es ist eine Flut von Gefühlen zwischen Mut, Hoffnung, Angst, Hoffnungslosigkeit, Enttäuschung und neuer Hoffnung, die dann wieder zu Mut führt.“

Mai Khaled wird mit ihrem neuen Roman neue Einblicke in ihre Gedankenwelt und ihren Erfahrungsschatz geben. Vielleicht werden sie dann wieder auf Deutsch nachzulesen sein – in einer neuen Veröffentlichung des Alawi Verlags.

Victoria Reith besucht die Deutsche Journalistenschule in München.

Copyright: Goethe-Institut e. V., Internet-Redaktion
Juli 2013

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