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Qantara.de über Abeer Esbers Roman "Lulu"

Abeer Esbers Roman "Lulu" - Großes Kino im syrischen Niemandsland Die syrische Schriftstellerin und Filmkritikerin Abeer Esber hat einen Roman über Sehnsüchte und Träume in der syrischen Provinz geschrieben. Das Buch ist ein kleiner Prosa-Edelstein, meint Volker Kaminski.

Abeer Esber gelingt es auf gerade einmal hundert Seiten ein ganzes Feld offener Lebensfragen anzulegen und in Form des Initiationsromans die Suche nach dem eigenen Weg auf zeitgenössische Weise zu behandeln, schreibt Kaminski. Viele Geschichten erzählen von Menschen aus der Provinz, die – aus Not oder freiem Entschluss – eines Tages beschließen, in die Großstadt, ins Zentrum des Landes aufzubrechen. Immer steht dabei der Verlust der eigenen vertrauten Welt dem ungewissen Gewinn des Neuen gegenüber. In "Lulu", Abeer Esbers erstem Roman in deutscher Übersetzung, wird der umgekehrte Fall geschildert. Die Großstadt, das Fremde und Exotische, kommt in Form eines quirligen ägyptischen Filmteams in ein syrisches Grenzstädtchen, um einen Spielfilm zu drehen. Für den jungen Khaled, der bisher nur als "Schulabbrecher" und Feldarbeiter in Al Hissn gelebt hat, bedeutet dieses Ereignis einen Wendepunkt in seinem tristen Dasein. Liebe, Irritation der Gefühle, Politik und eine erstaunliche Menge an Bildung sind die Herausforderungen, denen der Siebzehnjährige nun ausgesetzt ist.  Riem, die attraktive Regieassistentin, stellt sein bisheriges Leben auf den Kopf, Khaled verliebt sich sofort in sie, aber Riem, die schon fünfunddreißig ist, kneift ihn höchstens in seine "knuddeligen" Wangen und nennt ihn – wie es das gesamte Filmteam tut – Lulu.

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